- Mein Schild, der schiesst und einen lauten Ton von sich gibt -
Ich trage das Schild, seit Agata Norek Tychy im 2016 besucht hat.
Agata organisierte zusammen mit Justyna Rutkowska Workshops für Frauen, deren Leitgedanke die Therapie durch Kunst war. Damals schufen wir unsere ersten eigenen Schutzschilde. Ich erinnere mich, wie ich im Workshop erzählte, dass es mir schwerfällt, NEIN zu sagen. Mit dem Ablehnen. Ich war ein „braves Mädchen”, eines von denen, die alle um sich herum zufriedenstellen wollen, auf Kosten ihres eigenen Ichs, und dann in der Psychiatrie landen. Ich habe lange über meinen Schild nachgedacht, hatte aber keine Idee. Bis ich mir einen akustischen Schild ausgedacht habe, der ein lautes Geräusch machte, wenn ich NEIN sagen wollte.
Ich nahm den Schild mit ins Auto und trug ihn mehrere Jahre lang als Schutzamulett oder Erinnerung daran, dass man manchmal laut mit dem Fuss aufstampfen muss, so wie mein Schild, der schiesst und einen lauten Ton von sich gibt. Nach dem Workshop gab es eine Ausstellung in der Galerie StrefArt. Ich habe sie mit großer Begeisterung angesehen. Einige Schilde, oder besser gesagt, die Beschreibungen dazu, passten zu mir. Diese Ausstellung hat mich sehr bewegt. Agata hatte mehrere Ansteckpins in Form von Schilden dabei. Ich dachte mir, ich nehme sie, was kann es schon schaden. Tief in meinem Inneren beschloss ich, für mich selbst zu kämpfen. Ich habe keine Kraft mehr, ein „braves Mädchen” zu sein. Seitdem habe ich einen langen Weg zurückgelegt. Ich habe an verschiedenen Workshops und psychologischen Seminaren teilgenommen und viel gelernt. Die Schild aus dem Auto habe ich irgendwo liegen lassen, ich brauchte sie nicht mehr. Die Schild-Anstecknadeln von Agata trage ich immer noch in meiner Lederjacke. Manchmal schaue ich sie an und lächle vor mich hin. Ich bin froh, dass ich damals auf diesen Workshop und diese Ausstellung gestoßen bin. Danke, Agata!
Ps. Solche Workshops zum Bauen eigener Schilde, mit Kommentaren einer weisen, reifen Künstlerin und sachkundigen Psychologinnen, sollten in ganz Polen stattfinden. Damit jede Frau die Möglichkeit hat, in sich selbst hineinzuschauen und zu lernen, wer sie ist, wovor sie Angst hat und was sie bewältigen möchte. Der Schild hilft dabei. Und das ist keine Zauberei, sondern reine Psychologie und Kunst, die helfen.
Marta, 46 Jahre