– SCHÖNHEIT UND GUTES MITTEN IN DEN RUINEN –
Ich liebe, was ich tue.
Mich schrecken die schwierigsten Themen nicht – Trauma, Leid, Schmerz – und auch nicht das Hineinblicken in ihre dunkelsten Winkel.
Aber manchmal (und am besten regelmässig) muss man sich davon lösen.
In andere Räume eintauchen.
Das ist notwendig, wunderbar und unverzichtbar – für Geist und Körper.
Für einen Moment hatte ich das Gefühl, im Paradies zu sein.
In einem Paradies, das symbolisch das Leben und den Weg so vieler von uns widerspiegelt.
Auf dem Weg zur Hochzeit von Freunden, auf dem Weg zu einem orthodoxen Kloster in Bosnien – kamen wir an armen Dörfern vorbei, an Balkonen ohne Geländer, an Mauern mit Spuren des Krieges.
Ich hatte das Gefühl, die Zeit sei dort vor Jahrzehnten stehen geblieben. Und genau das war so symbolisch. Denn während man an den Spuren einer so schrecklichen Vergangenheit vorbeigeht, kann man sich plötzlich davon lösen.
Plötzlich kann man in eine andere Dimension des Geistes eintreten – voller Ruhe, Schönheit, Rührung und etwas absolut Göttlichem.
Mir selbst und euch wünsche ich, dass sich unsere Wege von Zeit zu Zeit so erfüllen.
Dass sich mitten in den Ruinen und Narben der Vergangenheit möglichst oft die Tore zu Mystik, Geborgenheit, Fürsorge und Güte öffnen.
Diesen Ort werde ich in meiner Erinnerung bewahren – als einen solchen Raum. Und noch ein kleines bisschen werde ich in ihm verweilen.
Agata Norek