Bayerischer Landag | München | Deutschland
März - April 2015
Die Ausstellung „Schutzschilde“ im Landtag in München war Teil der Veranstaltung „Starke Frauen für eine bessere Welt“.
Eröffnet wurde die Ausstellung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Agata Norek.
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Auszug aus der Eröffnungsrede im Bayerischen Landtag:
„Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit“
Niki de Saint Phalle
„Jeder Mensch weiß, wie ein blauer Fleck oder eine Platzwunde aussieht. Die körperlichen Folgen einer Gewalterfahrung sind sichtbar. Wie aber sieht es aus mit seelischen Verletzungen? Sie sind unsichtbar und werden von den Betroffenen oft erst nach Jahren wahrgenommen. Körperliche Verletzungen können geheilt, Schmerzen gelindert werden. Aber was passiert mit der Seele? Wie, womit, wodurch kann sie geheilt werden?
Es war 2002, als ich, damals Studentin an der Kunstakademie in Kattowitz, nach einem Symbol suchte, um die unsichtbaren Folgen und Facetten der Gewalt, die selbst für die Gewaltopfer schwer zu benennen sind, visuell darzustellen. Bisherige Darstellungen im Bereich Malerei und Grafik Design schienen für mich nur ansatzweise das zu zeigen, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Die Sprache der Bilder war mein Werkzeug und diese Sprache musste ich erweitern, um unbeschreibbare Erlebnisse der Gewalt in Kunst umzusetzen.
Das Symbol des „Schutzschildes “ verwendete ich intuitiv in meinen damaligen Gemälden. So wurde es auch erkannt. Der Begriff „Schutzschild“ wurde für mich zum Schlüsselwort. Vor 18 Jahren habe ich den Weg der „Schutzschilde“ betreten, den ich bis heute gehe.
„Schutzschild“ wurde für mich zum Symbol der Psyche, die Gewalt erlitten hatte. „Schutzschild“ ist ein Gegenstand, der den Angriff abwehrt aber auch die Spuren der Gewalt bewahrt. Diese Forschung führte mich zu den 27 „Schutzschilden“ die u.a. ökonomische, häusliche, sexuelle Gewalt, sexuellen Missbrauch an Kindern aber auch die weibliche Genitalverstümmelung thematisieren.
In der gesamten Menschheitsgeschichte hatten „Schutzschilde“ unterschiedlichste Formen angenommen. Die alten Griechen benutzten z.B. eine gebogene, runde Form. Die Wikinger verwendeten einen ganz flachen, runden Schutzschild mit einer Ausbuchtung in der Mitte als Schutz für die Hand. Ich fügte die zwei Schutzschildformen zusammen, um die Form einer weiblichen Brust nachzubilden.
In der Antike trugen Schutzschilde künstlerische Darstellungen der unterschiedlichsten Art. Auf dem berühmten Schutzschild des dunklen Hephaistos ist die Geschichte der Welt dargestellt mit Meeren und Ländern, Sonne und Sternen, aber auch das Leben des einfachen Menschen in Frieden und Krieg.
Ich benenne meine Schutzschilde als „Chirurgie der Seele“. Diese Kunst schöpft direkt aus der Umwandlung der Verletzung in die schöpferische Kraft. Die „Schutzschilde“ zeigen, wie man Schwäche in Stärke umwandeln kann.
Ich wünsche mir, dass diese Ausstellung die Menschen anspricht, berührt und zum Nachdenken und zum Gespräch anregt. Ich wünsche mir, dass durch die Ausstellung viele Menschen Antworten, Verständnis und Mitgefühl finden werden. Mein Wunsch ist, dass es uns gelingt, das Projekt „Schutzschilde“ mit betroffenen Menschen zu realisieren sodass viele Menschen, wie die französische Künstlerin Niki de Saint Phalle sagen können: „Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit“.“
Agata Norek, 2015
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Fotos: Rolf Poss
© Archiv des Bayerischen Landtags

