„Schild – Kore (lat. Pupilla). Ich kann mich nicht finden“

– KORE | LABYRINTH (2007) –

 

Vor Kurzem erzählte ich einer Freundin, dass ich wieder mit dem Malen beginnen möchte. In wenigen Tagen fahre ich aufs Land, ziehe mich für eine Zeit zurück und möchte nach vielen Jahren zur Malerei zurückkehren.

Ich erzählte ihr auch, dass ich seit drei Jahren darüber nachdenke, Labyrinthe zu malen, mir jedoch immer eine verbindende Klammer fehlte. Und dass die Krise sowie der öffentliche Angriff, den ich erlebt habe, mir geholfen haben, Kräfte in mir freizusetzen, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren. Schliesslich fand ich die Antwort. Ich fand das Symbol, das ich in meine neuen Bilder einweben werde.

Doch bevor ich damit beginne, fiel mir zufällig ein altes Archiv in die Hände. Dort entdeckte ich einen Schild aus dem Jahr 2007 wieder – einen Schild, der selbst ein Labyrinth ist und ein Labyrinth zeigt.

Als ich ihn sah, blieb mir buchstäblich die Sprache weg, denn ich hatte diese Arbeit völlig vergessen.

Nach beinahe zwanzig Jahren kehren die Labyrinthe zu mir zurück. Das Bild und die Vision des Labyrinths schließen sich zu einem Ganzen.

Die Arbeit, die ihr hier seht, entstand, als ich eine sehr junge Mutter war.

Es war die Zeit, in der ich vor dem Vater meiner Kinder in eine psychiatrische Klinik fliehen musste.

Als junge Mutter und als Frau, der das nicht gelungen war, was jeder jungen Frau gelingen sollte – ein normales Leben, eine Familie und eine Ehe aufzubauen …

Anstatt zu Hause zu sein und Windeln zu bügeln, musste ich mich retten und mit einem drei Monate alten Baby, meiner kleinen Tochter und meinem zweijährigen Sohn in eine Klinik flüchten.

Diese Arbeit entstand damals im Krankenhaus, als ich 29 Jahre alt war.

Sie zeigt die Frau, die ich damals war – eine Frau, die sich selbst nicht finden konnte.

„Schild – Kore (lat. Pupilla). Ich kann mich nicht finden (2007)“ beschreibt einen Zustand, in dem die Seele nach sich selbst sucht, gefangen in schrecklichen Labyrinthen.

Die alten Griechen glaubten, dass die Seele im menschlichen Körper in Gestalt einer kleinen Puppe wohnt. Sie nannten diese Puppe Kore und glaubten, man könne sie durch die Pupille des Auges erkennen.

So war es damals. Ich suchte nach mir selbst. Es war der Anfang meines Weges.

Mit grosser Wehmut und Zuneigung habe ich diese Arbeit wieder betrachtet.

Nach zwanzig Jahren kehre ich zurück zum Malen von Labyrinthen.

Doch diesmal kenne ich die Antwort darauf, wie es ist, wenn ein Mensch sich selbst findet.

Es berührt mich zutiefst, dass die Labyrinthe eine Klammer in meinem Leben bilden – und weiterhin bilden werden.

Ich lade euch ein in die Welt meiner Schilde.

 

Agata Norek

  1. Juli 2026