SEXUALITÄT. MACHT. WILLE. UNTERWERFUNG. SEXUALITÄT UND EINE SCHWIERIGE KINDHEIT.

 

SEXUALITÄT. MACHT. WILLE. UNTERWERFUNG.

SEXUALITÄT UND EINE SCHWIERIGE KINDHEIT.

Integration statt unaufhörlicher Therapie.

 

Mein Mann und ich haben den Film Babygirl von Halina Reijn gesehen.

Ich weiß, dass die Meinungen darüber unterschiedlich sind. Meine – die sich auch auf meine eigenen Erfahrungen stützt – ist sehr klar und eindeutig.

 

Die Hauptfigur hat einen fantastischen, liebevollen Ehemann, aber sie erlebt keine vollständige sexuelle Erfüllung.

Im Film sehen wir, dass sie eine Therapie besucht. Es erscheinen Rückblenden zu nicht genau definierten, aber offensichtlich schwierigen Erfahrungen aus der Kindheit.

Für mich hat die Regisseurin dieses Films unglaublich viel verstanden, und die Botschaft ist sehr schön.

Der Film zeigt nämlich, dass wir uns von manchen Prägungen weder befreien noch „heilen“ können.

Und dass das Beste, was wir tun können, darin besteht, bestimmte Charakterzüge und Persönlichkeitsanteile zu integrieren — sie bewusst in unsere Lebensgeschichte einzuflechten, sie anzuerkennen und aufzuhören, in Abspaltung und Verleugnung zu leben, nur um gesellschaftliche Normen und Erwartungen zu erfüllen.

Dass sogenannten „schwierigen“, „unerwünschten“ oder gesellschaftlich nicht akzeptierten Neigungen sichere Rahmen gegeben werden können — und dass wir die Kontrolle über sie übernehmen können, anstatt unbewusst zuzulassen, dass sie uns steuern.

Das wird besonders stark im Ende des Films gezeigt.

Wir sind von diesem Film begeistert.

Für mich fügt er sich perfekt in das Thema der unterschiedlichen Formen und Bedürfnisse von Sexualität ein.

Was uns an diesem Film besonders berührt hat

• Der Film zeigt eine leidenschaftliche Affäre ohne romantische Illusionen über ein gemeinsames Leben.

• Der Film zeigt das Bedürfnis nach emotionaler Unterwerfung und Demütigung, ohne es mit körperlicher Gewalt zu verbinden. Ich freue mich, dass endlich jemand gezeigt hat, dass es auch solche Erfahrungen gibt.

• Der Film zeigt eine Beziehung, in der die Liebenden nicht stürmisch übereinander herfallen — sondern zunächst gar nicht wissen, wie sie vorgehen sollen. Sie probieren aus, schämen sich, testen ihre Grenzen, kommunizieren ihre Gefühle — und genau daraus entsteht Tiefe. Halleluja.

• Der Film zeigt, dass der erste sexuelle Kontakt zwischen den Liebenden kein typisches „feuriges Aufeinanderstürmen“ ist, sondern – wie so oft im Leben – einem vollkommen individuellen Szenario folgt.

• Der Film zeigt eine Situation, in der eine Frau das, was sie außerhalb der Ehe über sich entdeckt, in ihre Ehe integriert — und weiterhin ein glückliches Leben mit ihrem eigenen Ehemann führen kann, inklusive sexueller Erfüllung.

• Der Film zeigt, dass manche Dinge nicht endlos „therapiert“ werden können — sondern integriert werden müssen. Integration bringt Erleichterung, Antwort und Freiheit — nicht allein die Therapie.

• Der Film zeigt einen Mann, der die tiefsten Sehnsüchte und Fantasien einer Frau entdeckt und ihr hilft, diese zu verstehen und zu leben — ohne dabei ein Psychopath zu sein.

• Der Film zeigt eine Frau, die ihre sogenannten Schwächen, Bedürfnisse und Sehnsüchte kennenlernt — und beginnt, sie bewusst in einem für sie sicheren Rahmen einzusetzen.

Im Kontext dieses Films habe ich gedacht, dass wir sehr oft in den sinnlosen Versuch geraten, ungewöhnliche sexuelle Tendenzen — natürlich solche, die niemandem schaden — „reparieren“ oder wegtherapieren zu wollen, anstatt sie bewusst und sicher zu integrieren und in unser eigenes Leben aufzunehmen.

Besonders berührt hat mich die Szene, in der die Protagonistin nach dem Bekanntwerden der Affäre vor ihrem Mann weint und sagt, dass sie alles versucht habe, sich zu verändern — aber es nicht geschafft hat.

Dass sie ist, wie sie ist.

Und genau in diesem Moment erscheint etwas sehr Wichtiges:

endlich – die Wahrheit über sich selbst.

Vielleicht bedeutet Reife nicht, alles in sich reparieren zu müssen.

Vielleicht bedeutet sie, sich selbst anzuerkennen — und zu lernen, bewusst, sicher und authentisch mit sich zu leben.

Denn manchmal bringt nicht die unaufhörliche Therapie Freiheit.

Manchmal bringt sie Anerkennung und Integration.

 

Agata Norek, 25.02.2026