„Ich werde dich entwerten, weil ICH es weiss. DU nicht.“

 

„Ich werde dich entwerten, weil ICH es weiss. DU nicht.“

 

Trauma hat sich auf dem Markt festgesetzt.

Viele Menschen nehmen sich heute das Recht, darüber zu sprechen – fremde Erfahrungen, Symptome, psychische Strukturen, innere Mechanismen zu beschreiben. Oft im Namen anderer. Oft losgelöst von ihnen, oft über ihnen hinweg.

 

Die Frage bleibt für mich immer:

Warum werden Menschen, die diese Phänomene durch eigene Erfahrung verstehen, aus diesem Raum gedrängt oder mit dem Etikett „unglaubwürdig“, „unzureichend“, „instabil“, „inkompetent“ versehen? Manchmal sogar „lächerlich“.

 

Ich bin diesem Phänomen mehrfach begegnet. Mit Ausgrenzungshaltungen, subtiler, manchmal völlig offener Entwertung. Mit Botschaften wie: „Du weißt es nicht“, „Das ist nicht dein Platz“, „Misch dich nicht ein“, „Du störst“.

Von bekannten und weniger bekannten Namen in Polen.

 

Immer deutlicher sehe ich, dass es nicht nur um Wissen geht.

Es geht um Macht, Reichweite, Einfluss, Markt und Geld.

 

Und ich stelle mir weitere Fragen:

 

Warum geht der eine oder andere Experte davon aus, dass mir (und Menschen wie mir) Intellekt oder Weisheit fehlt, um diese Phänomene selbstständig zu erfassen, zu verstehen und daraus analytisch und sachlich berichten zu können?

Warum wird ihre Orientierung an Wissen – oft losgelöst von Körper und realer Erfahrung – gleichzeitig zum Schild und zur Waffe gegen mich/uns?

Welche Angst steckt dahinter?

 

Denn was bewirkt eigentlich die Entwertung und Herabsetzung von Menschen, die cPTSD oder PTSD erlebt haben?

 

Ist es die Angst, dass der Experte oder sogenannte Spezialist im Angesicht gelebter Erfahrung in seinen Definitionen, Formeln und Narrativen nicht mehr bestehen kann?

Dass die Theorie nicht mehr ausreicht?

 

Für mich ist eines klar:

Zu viele Menschen – verzeihen Sie – wischen sich das Wort „Trauma“ auf die Lippen, ignorieren, entwerten oder verspotteten gleichzeitig die Opfer.

 

Und dann stellt sich die entscheidende Frage:

Wie sollen wir realistisch, authentisch und ehrlich mit Menschen nach tiefen Traumata arbeiten, wenn das Thema scheinbar an die Oberfläche gespült wurde, „auf allen Lippen liegt“, und im Helferumfeld so massive strukturelle Gewalt herrscht?

 

Und zwar Gewalt von Menschen, die eigentlich Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit anbieten sollten.

 

Dieses Phänomen erschüttert mich.

Es wird heute immer mehr über Trauma gesprochen, aber immer noch zu wenig darüber, was zwischen den Fronten passiert – über Macht, Angst, Rivalität und systematische Entwertung derjenigen, die durch die Hölle gegangen sind und mit Wissen und Weisheit zurückgekehrt sind, die ohne eigene Erfahrung oft nicht zu erfassen ist.

 

Zwischenzeitlich sprechen wir oft nicht über ein klinisches Phänomen, sondern über den Kreislauf von Kapital, Autorität und Narrativen.

 

Das passiert in sozialen Foren. Das passiert in Praxen – ich habe es selbst erlebt und davon gehört.

 

Ich halte es für sehr wichtig, psychische Gewalt im Bereich der psychischen Gesundheit im Dialog über Trauma und im ehrlichen Sprechen darüber aufzudecken.

 

Vielleicht ist das Problem nicht „fehlende Kompetenz“, sondern die Angst der Experten, das Monopol über die Narrative zu verlieren?

 

Ich habe auch den Eindruck, dass viele dieser Experten wissen, dass Menschen nach schweren Traumata einerseits von Emotionen überflutet werden und unterschiedlichste somatische und psychosomatische Symptome erleben.

Gibt ihnen das ein Gefühl von Überlegenheit über solche Menschen, ein Machtgefühl gegenüber denen, die versuchen, sich im Leben zurechtzufinden?

Gibt ihnen das ein Gefühl der Überlegenheit, dass diese oft in ihrem eigenen inneren Gefängnis gefangen sind und wenn sie daraus hervorgehen, gefährlich werden? Denn das sind Menschen, die viel erlebt, verdammt viel verstanden haben – sie sehen, fühlen und analysieren sehr genau. Leicht ist es, ihnen das Etikett „Symptome“ aufzukleben, um Zweifel oder Vorwürfe abzuwehren.

 

Sie vergessen nur eines: Es gibt Menschen, die das durchlebt, überlebt, diese Mechanismen von innen verstanden und am Ende ihr Selbstgefühl, ihr Körpergefühl und ihre Stimme zurückgewonnen haben.

 

Die letzten Fragen, die mir in den Sinn kommen:

Will das System, dass die Opfer in der Rolle des Opfers gehalten werden?

 

Oder haben manche Therapeuten vielleicht selbst Angst, zu ihren eigenen Traumata zu stehen, weil sie fürchten, genauso behandelt und „entthront“ zu werden von ihrem eigenen Umfeld?

 

Was ich beschreibe, ist keine Überempfindlichkeit. Es ist ein reales Phänomen. Und die Tatsache, dass es mich erschüttert, zeigt – denke ich – dass ich nicht gleichgültig geworden bin.

 

Agata Norek

Luzern, 4.02.206