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Kürzlich bin ich mit einer Welle von Aggression, Vorwürfen und extremen Emotionen konfrontiert worden, die gegen mich gerichtet waren, nachdem ich meinen Widerspruch gegen die Metapher veröffentlicht hatte, die Marta Niedźwiecka, eine bekannte polnische Psychologin und Sex-Coach, im Zusammenhang mit dem Wort „Dissoziation“ verwendet hatte – sie nannte es metaphorisch „Auszug aus dem Körper“. Marta Niedźwiecka ist in Polen eine sehr sichtbare Persönlichkeit in Medien und Öffentlichkeit, schreibt Bücher, gibt Podcasts heraus und ist im Bereich Psychologie und Sexualität tätig, ist aber keine klinische Psychotraumatologin.

 

Noch nie zuvor habe ich eine derart heftige Attacke in der öffentlichen Sphäre erlebt. Es war schwierig, aber zugleich ein Phänomen, das aus vielen Gründen sehr interessant und bedeutsam für mich war.

 

Diese Situation aktivierte tief verborgene, noch nicht vollständig integrierte, sehr aggressive Anteile meiner Persönlichkeit – jene, die ihre Wurzeln in meinen Kindheitserfahrungen mit Gewalt haben.

 

Der Text, den ihr gleich lesen werdet, ist ein Protokoll einer Sitzung, in der ich diesen Teilen von mir begegnen konnte. Ich habe gesehen, wie die Mechanismen der Mikrowelt – die Beziehungen im Haus, innerhalb der eigenen vier Wände – die Mechanismen von Gewalt in der Makrowelt, in der Gesellschaft, widerspiegeln.

 

Diese Erfahrung hat mir ermöglicht, einen weiteren Schritt in Richtung Integration und inneren Friedens zu gehen.

 

 

Innere Mechanismen – äussere Welt

 

Ich habe Angst, dass, wenn ich die Wahrheit sage, meine Mutter mich wieder hassen wird. Dass Verzweiflung auftaucht, weil ich so bin, wie ich bin, und dass sie mich ins Gesicht schlagen werden. Dass sich Türen zu unvorstellbarem Bösen öffnen.

 

Weil ich die Autorität meines Vaters und die Unantastbarkeit seiner Position in Frage gestellt habe. Weil ich etwas mitbringe, worüber niemand Bescheid wissen will.

 

Was ich sage, ist gefährlich. Es zieht die Vulgarität anderer an. Auch mein Vater hat mich deshalb geschlagen. So lange, bis mir die Wahrheit aus der Haut geprügelt wurde. Um mir beizubringen, dass es sich nicht lohnt, man selbst zu sein.

 

„Unartiges, böses Kind. Du verdienst den Schmerz, weil du uns provoziert hast. Es ist deine Schuld, dass wir so mit dir umgehen. Wir haben das Recht, dir gegenüber böse zu sein.“

 

Ein Metzger oder Psychopath findet immer eine Rechtfertigung für seine Grausamkeit. Sie werden niemals zugeben, dass sie das Bedürfnis nach Macht über Schwächere haben. Dass sie nur so ein gutes Gefühl bekommen.

 

Sie werden diese Position nicht aufgeben, weil sie sonst zugeben müssten, dass sie schwach sind. Dass sie vulgär, grausam und pervers sind.

 

Und dass sie ihre Opfer verachten.

 

 

Ich veröffentliche dieses Protokoll, weil es zeigt, dass die Konfrontation mit der Aggression anderer zu einem Spiegel werden kann – zu einer Gelegenheit, die eigenen, noch nicht vollständig integrierten Anteile zu betrachten. Nach dieser Sitzung sind diese Fragmente mehr zu einem Teil von mir geworden.

 

Diese Situation, so schwierig sie auch war, hat mir ermöglicht, einen weiteren Schritt in Richtung grösserer Integration und inneren Friedens zu machen.

 

Manchmal kann man gerade in der Konfrontation mit der Aggression anderer am meisten über sich selbst lernen.

 

Agata Norek

13.11.2025