– TRAUM VON DER FAMILIE –

 

– TRAUM VON DER FAMILIE –

 

Ich träumte, dass ich wieder mit meiner Familie am Tisch sass.

Leichte Themen, Leichtigkeit und Unbeschwertheit.

Und wieder spürte ich, wie wenig ich dort hineinpasse – mit meinem Widerspruch und meinem Schmerz.

Wie wenig ich passe mit den Geschichten, die ich über sie und über uns zu erzählen habe.

Über unsere gemeinsame Vergangenheit und über Ereignisse, die ihnen nicht passen und die sie – ihrer Meinung nach – „für völlig unnötig“ halten.

Die nur „stören“ und unnötig das schöne, heitere Bild und den Zustand „zerstören“.


Ich spürte erneut dieses mir so vertraute Gefühl von Ausgrenzung und Fremdheit.

Dieses Gefühl, dass man „nicht versteht, was eigentlich mein Problem ist“ – warum ich störe, warum ich „Schmutzwäsche waschen“ will.

Dass der Schmerz, der in mir lebt, dort überhaupt nicht hineinpasst und niemand ihn hören will.

Dass es keinen Raum für ihn gibt, nicht einmal einen Rand von Interesse oder Neugier.

Keine Ritze, durch die man diesem „Skelett im Schrank“ erlauben würde, seine Stimme zu erheben.

Denn – wozu?

 

Ein Zustand der Leichtigkeit – auf Kosten von jemandem.

Lachen – auf Kosten von jemandem.

Schweigen und das Klirren der Gläser – auf Kosten von JEMANDEM.

 

Doch es ist nicht nur Schweigen und Ignoranz.

Darin steckt auch ein Gebot und ein Verbot.

Das Gebot, das Unerwünschte nicht nur unter den Teppich, sondern unter Beton zu kehren.

Das Gebot, in sich selbst zu ersticken, was seit Jahren erstickt wird – um des erzwungenen Ordnungsprinzips WILL NICHT STÖREN.

Wegen der Atmosphäre der Leichtigkeit und des „allgegenwärtigen Guten“, an das alle glauben, das nichts bedrohen darf und das keine Wahrheit erträgt.

 

Ich wachte auf und dachte:

Wie gut, dass ich seit Jahren nicht mehr an diesem Tisch sitze.

Und dass sich seit Jahrzehnten nichts geändert hat.

Und – dass sich diese Unterschiede nicht kitten lassen.

Wie gut, dass das heute nur noch ein Traum ist.

Und dass es mich nicht mehr dorthin zieht.

Und wie gut es ist, inzwischen seine eigene Familie zu haben, seinen eigenen Tisch.

Und die Türen des eigenen Hauses offen zu haben – aber jetzt nach den eigenen Regeln.

 

Agata Norek