– TROTZ ALLER WIDRIGKEITEN –
Das Datum, der 18. Dezember 2013 – der Tag meines Unfalls – wird für immer eines der wichtigsten und außergewöhnlichsten Daten meines Lebens bleiben.
Nach den Operationen, nachdem es gelungen war, mich zu retten, und nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus nach fünf Monaten, hätte man meinen können, das Schlimmste liege hinter mir.
Ich dachte, nun würde die Zeit der Regeneration kommen, des Sich-Sammelns, des Nachholens des Lebens – vor allem mit meinen Kindern.
Es kam mir nicht einmal in den Sinn, dass dies erst der Beginn weiterer, völlig unvorstellbarer Herausforderungen sein würde.
Ich hätte nicht geglaubt, dass ich nach einem so dramatischen Unfall auf Menschen treffen könnte, durch die ich gnadenlos behandelt würde. Und doch.
Über Jahre hinweg sah ich mich einem herzlosen System und dem Anwalt der Versicherung des Unfallverursachers gegenüber.
Obwohl alle Seiten anerkannten, dass der Lkw-Fahrer die hundertprozentige Schuld am Unfall trug, zog sich das Verfahren über neun Jahre hin.
Aus der Perspektive von zwölf Jahren später kann ich selbst kaum glauben, dass all das wirklich geschehen ist.
Dass so die Realität eines Menschen aussehen kann, dessen Grenzen derart überschritten wurden.
Dass man selbst nach solchen Erfahrungen nicht verschont bleibt.
Mir kam eine Illustration in den Sinn, die ich vor fünf Jahren gesehen hatte – aus der Zeit, als das Gerichtsverfahren noch andauerte.
Es war eine Illustration einer Frau, die auf einem Scheiterhaufen steht … und sich an dem Feuer, in dem sie brennt, eine Zigarette anzündet.
So wurde ich damals behandelt.
Und ich – trotz allem – versuchte noch, etwas daraus zu machen. Es zu verstehen. Zu gewinnen.
Heute kann ich auf all das mit Abstand blicken.
Dieser Kampf, diese Ereignisse, diese Zeit – zum Glück gehören sie der Vergangenheit an.
Aber sie haben mich mehr als neun Jahre meines Lebens gekostet.
Deshalb denke ich jetzt besonders an diejenigen von euch, denen es heute schwerfällt.
Die bergauf gehen müssen.
Die vom Schicksal oder von anderen Menschen nicht geschont werden.
Die das Gefühl haben: „Das ist zu viel.“
Ich veröffentliche diese Illustration – weil sie vielleicht jemandem von euch helfen kann.
Auch ich habe damals nach Ankern gesucht. Nach Rettungsringen.
Nach etwas, an dem ich mich festhalten konnte, um zu überleben – vor allem in mir selbst.
Diese Illustration hat mir geholfen.
Wenn bei jemandem von euch heute alles „brennt“,
wenn ihr im Feuer fremder Entscheidungen, innerer Kämpfe, von Ungerechtigkeit, Gewalt oder Gleichgültigkeit steht –
dann möchte ich euch eines sagen:
Selbst im Feuer kann man versuchen, sich selbst zu bewahren.
Selbst aus dem Feuer kann man versuchen, einen Funken mitzunehmen.
Diese Zeit wird eines Tages Vergangenheit sein.
Ich halte euch alle ganz fest.
Agata
Illustration: Marco Melgrati