Schutzschild gegen das Beschneiden von Frauen
70 × 70 × 35 cm
Kuhleder, Akaziendornen, Epoxydharz, Kleber, Pigment, Glasfaser (2012)
Die Beine sind weit auseinandergespreizt.
Das kleine Mädchen wird von seiner Mutter festgehalten.
Die äußeren und inneren Schamlippen sowie der Kitzler werden mit einer schmutzigen Rasierklinge oder Glasscherben von speziell dafür ausgewählten Frauen herausgeschnitten. In manchen Fällen wird die Oberhaut von der Scheidenwand entfernt.
Mit Akaziendornen werden Löcher in die Haut gebohrt, anschließend wird die Scheide so zugenäht, dass nur ein winziger Spalt offen bleibt, der das Herausfließen der Monatsblutung ermöglicht. Als Konsequenz der furchtbaren Verhältnisse kommt es oft zu schweren Komplikationen, einer Infektion oder starken Blutungen, die mit dem Tod enden.
Das Beschneiden von Frauen, die Genitalverstümmelung, kommt bei vielen Völkern Afrikas, Südamerikas, Neu-Guineas, Australiens sowie auf den Pazifischen Inseln vor. Es leben ca. 130 Millionen beschnittene Frauen auf der Welt, und es gibt jährlich ca. 2 Millionen Beschneidungsakte; das ergibt eine Zahl von 6000 täglich. Der Akt der Beschneidung wird meist an ein paar Tage alten Säuglingen durchgeführt, aber auch 6- bis 10-jährige Mädchen, Teenager oder erwachsene Frauen sind betroffen.
Die Bedeutung der Beschneidung hat einen religiösen und kulturellen Hintergrund. Das traditionelle Verständnis sieht darin eine Methode zur Kontrolle weiblicher Sexualität, die die Einhaltung der Jungfräulichkeit und ehelichen Treue garantieren soll. Die teilweise zugenähte Scheide kann erst durch den Mann geöffnet werden. Die Verstümmelung hat die Funktion, die Frau zum Objekt zu machen und ihren Wert zu mindern durch das Entfernen derjenigen Körperteile, die die Sexualität der Frau bergen. In einigen Kulturen verbindet man die Genitalverstümmelung mit der Hinzufügung eines zusätzlichen rituellen Schmerzes mit besonderer Brutalität, der, dem Glauben nach, den Effekt der zusätzlichen „Reinigung“ bringen soll.
Diesen Schutzschild widme ich Waris Dirie, deren Buch „Wüstenblume“ mich zu dieser Arbeit inspiriert hat.
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