Schutzschild Widder

 

Schutzschild Widder

70 × 70 × 55 cm

Farbe im Spray, Metall, Epoxydharz, Glasfaser (2012)

 

Ich bin ein einäugiger Widder.

Ich laufe wie meine anderen Artgenossen, aber ich habe kein Auge.

Im Kopf steckt mein eigenes Horn.

 Es sollte mich beschützen. Laut krachend mit anderen zusammenstossend sollte es Widerstand darstellen, angreifen oder den Angriff abwehren.

Es sollte schützen und das Gefühl von Kraft und Sicherheit geben.  

Stattdessen begann das wachsende Horn sich unnatürlich hineinzudrehen und sich, entgegen der Evolution der Natur, gegen mein Inneres zu richten. Seine entschlossene Kraft und Energie, mit der es fähig war, aggressiv zu sein und Schmerz zuzufügen, Grenzen zu markieren und zu schützen, begann in die empfindliche Stelle hineinzuwachsen.

Das Auge kämpfte, aber unter dem Druck des Horns platzte das empfindliche Gewebe, und die Energie des Horns füllte immer mehr den inneren Raum aus. Die verletzte Stelle, die von der wachsenden Masse ausgefüllt war, blutete. Es blieb ein Auge.

Nach Jahren war die Wunde getrocknet und das Horn wurde zum Attribut des eisernen und immer nahen Todes. Die Gestalt mit der Sense ist immer und untrennbar gegenwärtig im verletzten Widder. Als integraler, scharfer Bestandteil steckt sie in ihm und lauert in der Dunkelheit seiner Seele. In jedem Augenblick kann sie töten. Mit ihr, in das eigene Innere gerichtet, kann man keinen Kampf aufnehmen. Ein gegen sie gerichteter Stoss führt zu dem noch tieferen Stoss der Spitze und zur endgültigen Selbstzerstörung.

 Der gezähmte Tod steht Wache und wartet.